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    Ottho Gerhard Heldring wurde am 17. Mai 1804 als Sohn eines niederländischen Pfarrers und einer deutschen Pfarrerstochter in Zevenaar geboren. Nach der Lateinschule besuchte Heldring 1820 die Universität Utrecht. Im Oktober 1826 bestand er das theologische Examen.Als man den unerfahrenen Heldring im Alter von 22 Jahren zum Pfarrer der kleinen Gemeinde Hemmen berief, befanden sich die Niederlande in der Phase des Frühkapitalismus und waren von Missernten, Hungersnöten, dem Niedergang des Handels und Arbeitslosigkeit ausgezehrt.In seinem Verständnis, dem Wort Gottes im Leben Leben zu geben, verschrieb er sich der Arbeit für das geistige und leibliche Wohl der Menschen. Heldring sah, dachte und handelte. Er kämpfte gegen Trunksucht, Hungersnot und Armut. Mit viel Erfolg schuf er eine Siedlung im Anna-Paulowna-Polder und verhalf dem verwahrlosten Hoenderloo zu einer Blüte. Die Mittel für seine Arbeit erhielt er vorwiegend durch seinen wachsenden Freundeskreis.Ein Schlüsselerlebnis in Heldrings Leben war der Besuch des Frauengefängnisses in Gouda im Jahre 1847, der ihm die unbeschreibliche Not der verwahrlosten und bestraften Mädchen vor Augen führte. Sich der "gefallenen Mädchen" anzunehmen, war damals keineswegs selbstverständlich. Heldring, der bislang in einer vorwiegend ländlichen Gegend tätig war, wurde durch Freunde in Amsterdam auf die "Magdalenensache" aufmerksam. Noch im gleichen Jahr verbrachte er eine Kur in der Kaltwasserbadeanstalt Marienberg in Boppard. 
     
    Vor dem Hintergrund seiner Eindrücke aus Gouda legte er an einem Sonntag Freunden im nahen Bad Ems das 34. Kapitel des Propheten Hesekiel aus und wurde dabei ganz besonders von den Versen 4 und 16 ergriffen. Von nun an sah er es als seine Lebensaufgabe an, die weibliche Jugend zu retten und zu bewahren.Heldring richtete 1848 in Steenbeek bei Hemmen ein Mädchenasyl ein, dass er streng nach dem Grundsatz der Freiwilligkeit führte. Weiterhin eröffnete er in Hoenderloo 1851 ein Durchgangsheim für verwahrloste Kinder, 1858 das Rettungshaus "Talitha kumi" für verwahrloste Mädchen, 1863 die Anstalt "Bethel" für minderjährige Mädchen und 1864 ein christliches Erziehungs- und Unterrichtsseminar für Töchter des Mittelstandes.Heldrings Erziehungsgrundsätze waren bahnbrechend, so dass auch die Gründung mehrerer Einrichtungen in Deutschland seiner Anregung zu verdanken ist. Heldring durchzog die Städte und rief durch seine Predigt über Hesekiel 34 zur Rettung der Gefährdeten und Prostituierten auf. So auch am 25. Mai 1854 im Kreise von Männern und Frauen im Stift St. Martin in Koblenz. 
    Dort legte er den geistigen Grundstein für das Magdalenenasyl in Boppard und damit für die Gründung der Stiftung Bethesda-St. Martin.Ottho Gehard Heldring war stets Optimist und Streiter für den lebendigen Glauben. Er starb am 11.07.1876 in Marienbad (Böhmen). Beigesetzt wurde er in Zetten auf der Betuwe, der Flussinsel zwischen Waal und Rhein.
     
    "Das Schwache stärkt ihr nicht und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt.

    Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist."
     
    Text: Andreas Schnabl
     
     
    Pastor Ottho Gerhard Heldring
    17.05.1804 - 11.07.1876